Mexiko-Stadt: Kosmopolitisch wie New York, romantisch wie Madrid
Von Herdis Lüke, dpa
Mexiko-Stadt (dpa) - Egal, zu welcher Tageszeit man über Mexiko- Stadt einfliegt, man ist erstmal entsetzt: Tagsüber liegt die 20- Millionen-Metropole in gelben Nebel eingehüllt, nachts breitet sich ein unendliches Lichtermeer aus.
Im Tiefflug überquert die Maschine die Häuser. Kaum verläßt man den großen, modernen Flughafen, bestätigen sich viele Negativ- Urteile, die Mexiko-Besuchern auf den Weg gegeben werden: Die Straßen sind voll mit stinkenden Bussen, Lastwagen und Autos, dazwischen bewegen sich fliegende Händler mit ihren Frauen und Kindern, die Kaugummis, Taschentücher, Gummimatten oder Lampen anbieten, Feuerschlucker und flinke Winschutzscheibenputzer, gegen die kaum anzukommen ist.
Allen Warnungen zum Trotz vor Mexiko-Stadt als Metropole, in der Touristen angeblich dauernd überfallen werden, man in kein Volkswagen-Taxi steigen und kein Obst auf der Straße kaufen und essen oder Wasser aus der Leitung trinken soll: Der "Distrito Federal" oder "DeEfe", wie die Mexikaner ihre Hauptstadt nennen, sollte immer der Ausgangspunkt einer Mexiko-Reise sein. Die Regierung unternimmt viele Anstrengungen, um die Stadt sicherer und sauberer zu machen.
Mexiko-Stadt ist zwar ein Moloch, gleichzeitig aber faszinierend kosmopolitisch wie New York und romantisch wie Madrid. Schicke Wolkenkratzer zwischen geschichtsträchtigen Kolonialpalästen und Kirchen, großzügige Parks, Alleen wie der Prachtboulevard Paseo de la Reforma, Villen mit Kaskaden von Bougainvilleen, eine blitzsaubere Untergrundbahn, die "Metro", Busse und Millionen von Autos, die Tag und Nacht durch die Straßen brausen.
Museen, Theater, Kabaretts, Kinos, Bars, Diskotheken, elegante Restaurants, Boutiquen, Einkaufszentren, dazwischen einfache Garküchen, ambulante Händler, Straßenfeger, Markthallen und offene Märkte. Reiche Wohnviertel mit Häusern, in denen die Wasserhähne vergoldet sind, und Slums, in denen sich der Müll an jeder Ecke türmt. Aber auch romantische Viertel im Kolonialstil wie Coyoacan oder San Angel im Süden, wo sich Künstler und Literaten treffen.
Wer durch die engen Straßen des "Centro Historico", der Altstadt, schlendert, begegnet auf Schritt und Tritt der Vergangenheit. Der imposante "Zocalo", der Hauptplatz mit der Kathedrale, dem Regierungspalast und den Verwaltungsgebäuden und Kolonnaden drumherum, die alten Paläste, Kirchen und ehemaligen Klöster, in denen heute zum Teil Museen, aber auch Schulen und Teile der Universität untergebracht sind, wurden mit Steinen der ursprünglichen Azteken-Stadt Tenochtitlan gebaut.
Erst in den 70er Jahren wurden im Zuge des U-Bahn-Baus die Reste des "Templo Mayor" entdeckt und ausgegraben. Überall tobt hier das Leben - ein Jammer nur, daß die Mexikaner ihren Müll überall hinwerfen, nur nicht in die vorhandenen Mülleimer.
Eine Oase dagegen ist der Chapultepec-Park mit seinem Schloß auf dem Hügel, in dem einst Kaiser Maximilian mit seiner unglücklichen Charlotte residierte, dem Anthropologischen Museum und dem Zoo. Am Sonntag bevölkern tausende Mexikaner mit ihren Familien den Park zum Picknick, Schach spielen oder um sich unter freiem Himmel und fachkundiger Anleitung ihre Haare zu stylen, zu basteln oder tanzen zu lernen. Verkäufer schleppen riesiggroße Trauben von bunten Luftballons oder rosa Zuckerwatte mit sich.
Der südliche Stadtteil Xochimilco mit seinen schwimmenden Gärten läßt die ursprüngliche Schönheit der Stadt der Azteken vor der Eroberung mit seinen unzähligen Kanälen erahnen. Begleitet von feuriger Mariachi-Musik fahren heute bunt geschmückte, "Chinampas" genannte Gondeln die Ausflüger durch die Kanäle.
Wer sich an bestimmte Sicherheitsvorkehrungen hält, der wird seinen Aufenthalt in Mexiko-Stadt unbeschadet überstehen und reich belohnt mit faszinierenden Erlebnissen. Beim Volkswagen-Taxi sollte man darauf achten, daß das Taxameter funktioniert, die Lizenz an sichtbarer Stelle hängt und die Lizenznummer außen an der Karosserie mit dem Kennzeichen übereinstimmt. Wer ein bißchen Spanisch spricht - der Taxichauffeur freut sich: Er plaudert für sein Leben gern.
Zu später Stunde empfiehlt es sich allerdings, entweder an einem ausgewiesenen Taxistand (Sitio) oder über Funk ein Taxi zu besorgen - die allerdings sind bis zu dreimal so teuer. Auch sollte man seine Rolex und seine Juwelen lieber zuhause lassen. "Der Tourist läuft hier nicht weniger Gefahr als in New York oder Hamburg. Auch dort kann man überfallen werden", meint ein mexikanischer Hotelier. ©dpa